Woher kommen die neuen Medienformate?

Posted by Carsten Bormann Sun, 03 Sep 2006 20:48:00 GMT

Web 2.0 meets living-room and mobile TV

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„Fernsehen, so wie wir es kennen, wird man wahrscheinlich bald in einem Atemzug nennen mit so überkommenen Erfindungen wie Grammophon und Schallplatte…“ [Steffen Seibert, „Heute“ 2006-09-02]

Ich kenne viele junge Menschen, die einfach keinen Fernseher mehr haben — „wozu auch“.

Was wird an die Stelle des einzigen verbliebenen Massenmediums mit nationaler Reichweite treten?

Wie wir an den Zeitungen und am Hörfunk gesehen haben, verschwindet ein Medium nicht einfach, es trocknet aus.

Wer heute wissen will, was in der Welt los ist, liest Spiegel Online, New York Times, ein paar Blogs, hört aktuelle Podcasts und zur Ergänzung vielleicht doch noch die Online-Ausgabe der Tagesschau. Trifft ein Thema den Nerv, wird sogleich ein eigener Blog-Eintrag geschrieben, der vielleicht von anderen Lesern als autoritative Quelle (und Anregung zum Weitersurfen) genutzt wird.

„Professionell“ produzierte oder gar Mainstream-Medien sinken in der Bedeutung im täglichen Medienmix. Technische und finanzielle Eintrittsbarrieren für die persönliche Erstellung vieler Arten von Medien sind auf ein kaum noch relevantes Minimum gesunken.

Das Web liefert dann die Plattform für die Verbreitung der persönlichen Medien. Nicht nur im Sinne der reinen Übertragung, sondern vor allem als Mechanismus des Auffindens, Aggregierens und Selektierens. Technische und geschäftliche Entwicklungen nach dem Ende des Dot-Com-Booms haben zu einer fruchtbaren Basis für Entwicklungen in diesem Bereich geführt, die heute oft „Web 2.0“ genannt wird.

„User Generated Content“ — eins der Schlagwörter mancher Web 2.0-Protagonisten, aber auch ein Hinweis darauf, daß noch nicht viel verstanden wurde. Es geht hier nämlich nicht um „Content“ zum Anfüllen irgendwelcher inhaltsloser kommerzieller Plattformen, sondern um Kommunikation. Aus dem klassischen Massenmedium wird eine Konversation. Der Mensch ist nicht mehr nur „User“, der den verabreichten „Content“ willenlos in sich aufsaugt — er lebt in der digitalen Welt sein Leben, genauso wie in der physischen.

Das neue Web hat Vielfalt als technisches und soziales Prinzip. Es nimmt viele klassische Medien mit größter Selbstverständlichkeit in sich auf, aber nicht unverändert. Informationen, die früher nur für sich standen, gewinnen eine neue Qualität. Damit ist nicht nur die Digitalisierung gemeint, die eine unbegrenzte Vervielfältigung ermöglicht. Entscheidend ist vor allem die Informatisierung — Inhalte werden der automatischen Verarbeitung durch Maschinen zugänglich. Das bezieht sich zum einen auf Metadaten — nur durch solche beschreibende Informationen werden die Gigabytes an Daten auf einem iPod nutzbar — aber vor allem auch auf den Inhalt selbst.

Schon heute lassen sich Metadaten dazu nutzen, sich ein persönliches Hörprogramm zusammenzustellen — ein Beispiel aus der Musik ist Pandora, im Bereich der Informationen und Unterhaltung das System Podgrid des TZI.

In absehbarer Zeit werden Maschinen immer besser darin werden, Metadaten auch aus den Inhalten selbst zu extrahieren — schon heute kann man aus Kinofilmen automatisch Trailer generieren, die von professionell erstellten kaum noch zu unterscheiden sind.

Der Übergang von den klassischen, isoliert nebeneinander stehenden und erst im Kopf des Benutzers wieder verbundenen Medien zu den informatischen, vernetzten Medien ist ein Phasensprung. Einzeller werden zu Mehrzellern. Intelligentes Leben!


Mehr dazu am Montag, den 04.09.2006 um 18:00 in einer Podiumsdiskussion mit Vertretern von Nintendo, ProSieben/SevenOne, T-Systems, und Vodafone. Leider noch ganz offline, aber für Berliner und IFA-Besucher leicht zu erreichen.

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Zurück von der ETech

Posted by Carsten Bormann Sun, 12 Mar 2006 06:22:00 GMT

Montag bis Donnerstag dieser Woche fand in San Diego die diesjährige Auflage der O’Reilly-Konferenz „Emerging Technology“ statt.

Meine Präsentation zu PANIC-Mode fand am Donnerstag in einem völlig überfüllten Raum statt. Sie ist wohl ganz gut angekommen, aber wurde natürlich völlig überschattet von Steve Yens unmittelbar darauffolgender Präsentation zu Trimpath und NumSum. Eine eindrucksvolle Demonstration dafür, daß JavaScript eine vollwertige Programmiersprache ist, mit der man auch nichttriviale Systeme schreiben kann. (Ein Problem dabei ist heute oft, daß dieselbe Geschäftslogik, die clientseitig in der JavaScript-Anwendung abläuft, auch auf Server-Seite implementiert sein muss. Steve Yens Idee: mehrfaches Programmieren dadurch vermeiden, daß man denselben Code, der im Browser läuft, im Server durch den JavaScript-Interpreter Rhino ausführen läßt.) Leider reichte die Zeit nicht für seine ganze Präsentation. Nachdem der sichtbarste Online-Nachfolger von Microsoft Word writely gerade durch Google übernommen wurde, kann man Steve mit seinem Excel-Nachfolger nur ähnliches Glück wünschen.

Zur Konferenz selbst:

Tim Bray hatte ein ähnlich gemischtes Gefühl wie ich. Die Produktpräsentationen waren zum Teil wirklicht wenig erhellend; andererseits liefen in den Tracks durchaus auch interaktive Segmente unter „Products and Services“, die ich nicht hätte missen wollen. Zur Organisation insbesondere des letzten Tages gab es bereits einen vernichtenden Artikel, dem ich nichts hinzuzufügen habe. (Vielleicht das nächste mal das Hotel rechtzeitig buchen, so daß die ganze Zeit geeignete Räume für die Konferenz zur Verfügung stehen?) Natürlich findet der wichtigste Aspekt von Konferenzen außerhalb der Vortragssäle statt, und über diesen Bestandteil kann ich mich nicht beklagen.

Was waren (außer Steve Yens Auftritt) die Highlights?

  • microformats. Schon einige Zeit ein Thema, jetzt definitiv heiß.
  • RSS ist als Informationsbus des Web inzwischen unumstritten, am besten in seiner standardisierten Form Atom (nur Microsoft scheint letzteres noch nicht ganz begriffen zu haben). Interessant z.B. auch, wie Ning seine gesamten Daten über Atom-Feeds anbietet.
  • Ein Microsoft-CTO, der seine neueste Erfindung in Firefox demonstriert. (Der Microsoft-Mann, der später geschniegelt im Dreiteiler auftauchte, war auch nicht schlecht, aber seine Präsentation habe ich bereits wieder vergessen.)
  • Für den Vortrag von Bruce Sterling kam ich leider terminbedingt zu spät — alle sagten aber, er sei sehr, sehr gut gewesen. Ich hoffe, da wird noch mehr gebloggt.
  • cutetracker, eine von vielen Anwendungen in Ning.
  • Clay Shirky versucht, Entwurfmuster herauszuarbeiten, um eine Site mit benutzergenerierten Inhalten vor dem Abstieg in Flamewars o.ä. zu bewahren — u.a., um „die Leser vor den Schreibern zu schützen“.
  • „Wenn die ungelesenen Einträge im Feedreader heute noch nicht wichtiger erscheinen als die im Mailreader — sie werden es bald sein“ (Rael Dornfest frei zitiert nach ruminate).
  • Die EFF hat die wichtigen Gerichtsverfahren der nächsten Jahre vorhergesagt. Darunter: „PatentTrollCo verklagt AJAX-Sites“ — da es nicht schwer sein dürfte, bestehende Patente solange umzuinterpretieren, bis sie irgendwann AJAX-Techniken betreffen, lohnt sich Patent-Wegelagerei im „long tail“ der kleinen Sites (die bei der Wahl, 5000 Euro Lösegeld zu zahlen oder einen Rechtsstreit wegen eines dubiosen Patents zu riskieren, nicht lange nachdenken müssen). Glücklicherweise ist der anwesende EFF-Rechtsanwalt Jason unter anderem für das Patent-Busting bei der EFF.
  • (Off-Topic:) Jeff Han hat sein „Multi-Touch“-Interface demonstriert. Überzeugt hat mich vor allem, wie man alle drei 2D-Transformationen (Verschieben, Skalieren — „Zoom“, Rotieren) auf einer virtuellen Oberfläche mit intuitiv wirkenden Gesten abbilden kann. Und Hut ab vor der genial einfachen technischen Realisierung…

Darüber hinaus konnte, wer das noch nicht woanders mitbekommen hat, sich über anstehende Themen wie Identity 2.0, oder auch über Mechanical Turk und andere Leitinnovationen des vergangenen Jahres informieren.

Gelegentlich wurde auch versucht, zu postulieren, daß nach Mittelalter und Neuzeit (ging offenbar bis 1980) nun das Zeitalter der Attention Economy angebrochen ist. Das war das Thema dieser Konferenz, und die Grundbeobachtungen stimmen sicherlich nach wie vor. Aber ob wir wirklich alle Schmetterlinge sind, die, statt den Nektar der Attention Economy zu trinken, noch wie Raupen denken, wir müßten die grünen Blätter der Markt-/Geld-/Industrie-Wirtschaft verspeisen (Michael H. Goldhaber)?

Spannender (weil konkreter) fand ich den immer wieder durchscheinenden Trend der Alphabetisierung der „Benutzer“ — vom User Generated Content über die Websiteentwicklungsumgebung Ning bis hin zu den von IBM und JotSpot vorgestellten Wiki-basierten Anwendungsentwicklungsumgebungen. Vielleicht wird die nächste Generation in der Schule (des Lebens) nicht nur Word, PowerPoint und Excel gelernt haben, sondern — mittels geeigneter Umgebungen — auch genug programmieren können, um die kleinen und mittleren IT-Probleme des täglichen Lebens selbst anpacken zu können. Man kann ja träumen.

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AJAX und die Realitäten mobilen Arbeitens

Posted by Carsten Bormann Tue, 07 Mar 2006 18:51:00 GMT

Erinnert sich noch jemand an Timesharing? Ein Zentralrechner dient vielen Terminals als gemeinsame Ressource. Eine Vorbedingung für Timesharing war eine Datenleitung zwischen Terminal und Zentralrechner — lokal oder entfernt (die gute alte „Datenfernübertragung“, die in Microsofts „DFÜ-Verbindungen“ weiterlebt).

Der Personal Computer war dann die neue Idee, jedem Menschen einen persönlichen Computer zu geben, um die Abhängigkeit von schwerfälligen Zentralrechnern loszuwerden. Der PC wurde in den 1980ern tragbar, so daß man seine persönliche Infrastruktur bald überall hin mitnehmen konnte (vom Koffer-Computer „Compaq“ bis hin zum modernen Notebook Computer).

Recht schnell wurde dann jedoch klar, daß ein einzelner Rechner (genauer: ein einzelner Mensch an diesem Rechner) nicht viel ausrichten kann. Netze mußten her, um die PCs auch noch mit nützlichen Funktionen zur Kommunikation und zum gemeinsamen Arbeiten auszustatten.

Das Internet hat diese Rangordnung inzwischen nahezu umgekehrt: Der Computer ist heute in vielen Fällen vor allem Zugangswerkzeug zum Netz und zur Kommunikation mit anderen (Menschen und den von ihnen gemeinsam benutzten Systemen), erst in zweiter Linie persönlicher Rechner mit eigenen Funktionen. AJAX ist ein Vehikel, um dieses Primat der Kommunikation und Kollaboration über die isolierte Eigenarbeit („personal productivity“) auch auf klassische PC-Anwendungen wie Textverarbeitung, Kalkulation und Präsentationsentwicklung auszudehnen — das Web als Plattform.

Das Problem

Aber wie arbeiten wir heute? In vielen Bereichen ist das Büro, dessen Desktop-Anwendungen AJAX ersetzen will, gar nicht mehr primärer Arbeitsort. (Es mag nicht jedem so gehen, aber mein persönliches Büro ist praktisch identisch mit meinem Laptop.)

Dieser Artikel ist in einem Flughafen entstanden, in dem Internet-Konnektivität zwar ausreichend besteht, aber durch bestimmte Marktentwicklungen künstlich um Größenordnungen verteuert ist. Die Benutzung einer Web-Anwendung wäre in diesem Kontext prohibitiv teuer. Will ich im Flugzeug weiterarbeiten, wird Konnektivität (außer in wenigen Flugzeugen z.B. der Lufthansa) ganz unmöglich. Im Zug (ICE) kann man zwar über GPRS (2.5G/3G) Basis-Konnektivität erlangen, diese bricht beim heutigen Stand der Mobilnetze unterwegs aber immer wieder zusammen. (Fertig getippt habe ich den Artikel auf einer Konferenz mit einem Konferenznetz, das unter der Last der vielen Teilnehmer immer wieder zusammenbricht.)

Von der Vision „Always on, always connected“ sind wir aus vielerlei Gründen (nicht alle davon technisch) weit entfernt.

Intel hat für ein paar Jahren versucht, einen Begriff für diese Arbeitsform zu prägen: Occasionally Connected Computing, so als sei man nur gelegentlich am Netz. Verständlich, wollen sie doch eine leistungsstarke Plattform verkaufen, die eben auch ohne Web viele Anwendungen möglich macht.

Eine realistischere Beschreibung wäre „Frequently Connected Computing“ (die Abkürzungskollision mit der amerikanischen Kommunikationsbehörde FCC nehme ich hier bewußt — und auch etwas ironisch meinend — in Kauf).

Was ist zu tun?

Wie muß eine AJAX-Umgebung beschaffen sein, die auch unter FCC-Bedingungen funktioniert?

Es ist klar, daß neue Seiten nur angefordert werden können, solange Konnektivität zum Server besteht. Eine FCC-kompatible Web-Anwendung wird sich also eher länger auf einer Seite aufhalten (geht also in Richtung Single-Page Application, aber eben mit AJAX) — Kartenreiter und ähnliche UI-Techniken können dazu beitragen, daß die Übersicht erhalten bleibt.

Eine andere Frage ist, wie die Anwendung mit Eingaben des Benutzers umgeht. Was ganz bestimmt nicht passieren sollte, sind Fehlermeldungen der Form:

 Es gab ein Problem mit dem Netz -- Ihre Eingaben sind jetzt weg

(oder gar Datenverlust ohne jede Fehlermeldung!).

Es geht also darum, Eingaben des Benutzers auch dann aufzubewahren, wenn der erste Versuch, sie über AJAX an den Server zu übertragen, fehlschlägt.

PANIC-Mode

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit durch Netzprobleme fehlgeschlagenen Server-Updates umzugehen. Mein Ansatz basiert darauf, Updates im Browser persistent zu speichern, bis der Server bestätigt, daß sie erfolgreich integriert worden sind. Da im Web2.0-Umfeld Abkürzungen ganz wichtig zu sein scheinen, habe ich gleich mal ein Akronym defür definiert:

 P ersistency for
 A JAX in
 N etworks with
 I ntermittent
 C onnectivity.

Mehr zu panic-mode am Donnerstag auf der Emerging Technology-Konferenz von O’Reilly.

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7,000,180 U-Boote

Posted by Carsten Bormann Thu, 23 Feb 2006 10:38:00 GMT

Es gibt jetzt ein Patent zu AJAX (genauer: rich-media applications via the internet).

Das wird in den Blogs noch genug diskutiert werden, ich spare mir das hier. Eines ist sicher: Die Welt braucht Erfinder wie Neil Balthaser!

Zum Glück gibt es in Europa (noch) keine Softwarepatente. (Wenn nur die Patentämter das auch wüßten…)

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prototype wunderschön

Posted by Carsten Bormann Mon, 20 Feb 2006 22:44:00 GMT

Einen Klick wert: Übersichtliche Spickzettel für das Arbeiten mit der JavaScript-Bibliothek prototype.

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Ein neues Online-Buch zu XSLT

Posted by Olaf Bergmann Sat, 04 Feb 2006 12:31:00 GMT

Ab und an muß leider auch ein wenig Eigenwerbung sein: Seit kurzem ist der zweite Band der TEIA-Reihe zu XML verfügbar. Es befaßt sich mit der Ausgabeerzeugung unter Verwendung von XSL. Wie auch schon der erste Band ist es in Zusammenarbeit mit Heinz Wittenbrink entstanden, der bereits zahlreiche Bücher zum Thema Online-Publishing verfaßt hat.

Eine wesentliche Rolle in diesem Buch spielt XSLT als eine der wichtigsten Technologien zur Transformation von XML-Dokumenten. AJAX spielt hingegen keine Rolle in dem Buch, da es kein allgemeiner Rundumschlag zu Web-Technologien sein soll (den gab es auch), sondern interessierten Laien mit Vorkenntnissen in XML und HTML einen kurzen und prägnanten Einstieg in das Thema bieten soll.

Für Fortgeschrittene gibt es sicher bessere Bücher, die mehr in die Tiefe gehen. Interessant könnte es aber sein, in dem neuerdings vom Verlag angebotenen Online-Kurs einmal den Ausblick auf XSLT 2.0 anzuschauen – eine technologische Entwicklung, die neben AJAX ein wenig in der Hintergrund getreten ist, aber in bestimmten Bereichen auch ihre Spuren hinterlassen kann.

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ATF, WTF ...!?

Posted by Olaf Bergmann Fri, 03 Feb 2006 17:42:00 GMT

Wie verschiedentlich berichtet, arbeitet ein von IBM ins Leben gerufenes Konsortium aus namhaften großen und kleinen Software-Herstellern seit einiger Zeit gemeinsam an einer ATF (AJAX Toolkit Framework) genannten Erweiterung für die Entwicklungsumgebung Eclipse.

Das technische Ziel des Projekts ist es, bestehende AJAX-Frameworks wie Dojo, Zimbra o.ä. unter einem gemeinsamen Dach besser nutzbar zu machen. Dazu sollen bewährte Technologien wie beispielsweise der JavaScript-Debugger aus Mozilla wiederverwendet und mit bestehenden Eclipse-Erweiterungen wie z.B. J2EE-Bibliotheken integriert werden.

Besonders erwähnenswert ist diese Initiative wegen der breiten Unterstützung, die sie aus der Gemeinde der Open-Source Software-Entwicklung erhält. Neben neuen und alten Branchengrößen wie IBM, Oracle, Redhat und Google gehören auch in höchstem Maße innovative Startups wie Zimbra und natürlich die breite freischaffende Eclipse-Community dazu.

Wenn das Projekt hält, was es verspricht, dann kann es zur einer weiteren Verbesserung des Entwicklungsprozesses von AJAX-basierten Anwendungen führen und damit gleichzeitig die Qualität von Anwendungen für das Web 2.0 verbessern. Dies zielt insbesondere auf die große Gemeinde der professionellen Web-Entwickler, die sich bislang noch nicht bewußt für AJAX entschieden haben.

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AJAX ohne ActiveX: Ist irgendetwas passiert?

Posted by Olaf Bergmann Wed, 25 Jan 2006 17:40:00 GMT

Gerade noch wurden die Autoren des AJAX-Buchs geschmäht, weil sie ein Grundlagenwerk verfaßt haben, das auch über die rasante Entwicklung neuer Technologien hinaus bestehen soll (ob das wirklich so ist, wird sich natürlich erst mit der Zeit zeigen), da kündet die Software-Schmiede in Redmond von einer wesentlichen Vereinfachung für Entwickler von Anwendungen mit AJAX-Funktionalität. Wie kurze Zeit später auch in allen deutschsprachigen IT-Newstickern, Blogs und Foren zu lesen, wird der Internet Explorer ab Version 7 über ein natives XMLHttpRequest-Objekt verfügen. Das ist insofern nützlich, da AJAX-basierte Anwendungen nunmehr ohne das Einschalten von ActiveX im Internet Explorer auskommen könnten – wenn da nicht die große Nutzerbasis der früheren Versionen wäre. Wie auch das Code-Fragment im MSDN-Blog zeigt (s. o.), wird die Entwicklergemeinde auch in Zukunft nicht ohne Feature-Sniffing auskommen. Profitieren werden von dieser Entwicklung in erste Linie die Nutzer, die über einen Browser mit moderneren Eigenschaften verfügen werden und ein kleines Stück Sicherheit gewinnen, wenn sie ActiveX wieder deaktivieren.

Wer heute also behauptet, die (Quasi-)Standardisierung von AJAX-Technologien sei in dem letzten halben Jahr vorangeschritten, der übersieht eine wesentliche Anforderung, die das Web 2.0 mit sich bringt: Usability. Wie schon zu Zeiten von HTML 3.2 interessieren sich Nutzer überhaupt nicht dafür, welchen tollen Eigenschaften die unterliegenden Technologien mit sich bringen – sie möchten vor allem eine funktionierende Anwendung, die ihr Problem löst. Trotz aller Euphorie über neue AJAX-Frameworks und neue Features in manchen Browsern bleibt es also dabei, daß Web-Entwickler vor allem verstehen müssen, was in ihrer Anwendung passiert. Das Wasser, mit dem dabei gekocht wird, hat sich in dem letzten halben Jahr aber nicht geändert.

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Web 2.0 findet statt!

Posted by Carsten Bormann Mon, 19 Dec 2005 20:26:00 GMT

Es ist die Zeit der Jahresrückblicke. Hier ein kleiner Beitrag.

Oktober 2005 war der Monat der Haßtiraden. Ein Mem, ein sich unaufhaltsam durchsetzender neuer Begriff mußte zerstört werden. Selbst sonst als kühle Denker bekannte Autoren wie Joel Spolsky verstiegen sich in heilige Schwüre, nie wieder über Web 2.0 zu schreiben.

Muss man ja auch nicht, aber warum dann erst einmal darüber schreiben und dann versprechen, dass man es nie wieder tun wird?

Weil „Web 2.0“ ein mächtiger Gedanke ist. (Mächtig genug, um bei Microsoft ein weiteres „Sea-Change“-Memo samt Produkt-Vorankündigungs-FUD auszulösen — das gibt es nur alle fünf Jahre.)

„Web 2.0“ war zunächst nichts anderes als der Name einer erfolgreichen Konferenz von O’Reilly. Marketing also. (Wie bei AJAX ärgern sich natürlich viele darüber, daß nicht sie es waren, die den gängigen Begriff für etwas geprägt haben, was sie vielleicht schon vorher gedacht haben.)

Es ist aber noch mehr dahinter: Die nackte Angst vor Bubble 2.0. Nicht schon wieder inhaltsleere Buzzwords, bei denen Millionen ihre Ersparnisse verlieren und wenige reich werden. (Die Bubble 1.0 ist allerdings noch genug im Gedächtnis, daß das schon nicht passieren wird.)

Wir Techniker haben natürlich eine klare Abneigung gegen unscharfe Begriffe. Niemand kann heute definieren, was Web 2.0 eigentlich genau ist.

Ist das schlimm? Schnell antworten: Wann begann nach dem Mittelalter die Neuzeit?

  • 1492, mit der „Entdeckung“ Amerikas?
  • 1517, mit dem Beginn der Reformation Luthers?
  • ~ 1450, mit der Innovation des Buchdrucks durch bewegliche Lettern?
  • 1453, mit dem Fall Konstantinopels?
  • oder doch erst im 17. Jahrhundert, mit der modernen Wissenschaft?

Ähnlich wie die „Neuzeit“ ist auch Web 2.0 ein (kleiner) Epochenübergang, oder zumindest die Kombination aus Renaissance und Innovation, mit der er beginnt. Keine einzelne Entwicklung ist Web 2.0 — es geht um die Kombination mehrerer Entwicklungen, die teils voneinander unabhängig sind, sich teils gegenseitig bedingen und verstärken. Insgesamt kommt eine (Web-)Welt heraus, die sich einfach deutlich von der davor unterscheidet.

Selbst Paul Graham, seines Zeichens querdenkender Web-Pionier und einer der Buzzword-resistenteren Autoren dieser Welt, sieht inzwischen, daß da etwas ist. In seinem äußerst lesenswerten Artikel reduziert er Web 2.0 auf drei Dinge:

  • AJAX (das Web als Plattform für Anwendungen);

  • Demokratie (und damit meint er wohl primär, die gesammelte Intelligenz der Menschen auch zu nutzen);

  • Benutzer nicht mehr mißhandeln.

Oh, und dieser Tage haben wir sie noch einmal wieder, die Diskussion. (Die Zeit der Jahresrückblicke und der guten Vorsätze für 2006, halt.)

Web 2.0 findet statt. Vielleicht nicht nachhaltig unter diesem Namen, aber das ist nicht so wichtig. Wir wissen auch noch nicht ganz genau, wie es einmal aussehen wird, aber klar ist schon, dass AJAX eine wichtige Rolle dabei spielen wird.

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Rails: 1.0

Posted by Carsten Bormann Wed, 14 Dec 2005 12:36:00 GMT

Vor ein paar Stunden hat die viel beachtete neue Web-Entwicklungsumgebung Ruby on Rails die Version 1.0 erreicht. 1.0 wie in „Firefox 1.0“, nicht wie in „Windows 1.0“.

Rails demontiert gerade mit erstaunlicher Geschwindigkeit die Vormachtstellung der bisherigen Alpha-Tiere der Web-Entwicklung — mindestens in den Köpfen, aber zunehmend auch in großen missionskritischen Umgebungen.

Was hat die Freigabe von Rails 1.0 mit AJAX zu tun? Rails war das erste große Web-Framework, das AJAX als selbstverständlichen Aspekt mit unterstützte. Mit Rails 1.0 sind insbesondere aber auch die JavaScript-Bibliotheken Prototype 1.4 und Scriptaculous 1.5 freigegeben worden. Diese Bibliotheken haben jetzt eine Menge fokussiertes Bug-Fixing hinter sich; zu erwarten ist eine recht stabile Basis für fortgeschrittene AJAX-Anwendungen — auch für solche, bei denen die Serverseite (noch?) nicht Rails heißt.

Zurück zu Rails: gem install rails --include-dependencies ist angesagt. Studierende an der Universität Bremen können sich übrigens schon mal auf meine Lehrveranstaltung „Produktive Web-Entwicklung“ im Februar freuen. (Als nächstes auf der Agenda: Kurse, die auch außerhalb der Universität zur Verfügung stehen.)

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