Woher kommen die neuen Medienformate?

Posted by Carsten Bormann Sun, 03 Sep 2006 20:48:00 GMT

Web 2.0 meets living-room and mobile TV

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„Fernsehen, so wie wir es kennen, wird man wahrscheinlich bald in einem Atemzug nennen mit so überkommenen Erfindungen wie Grammophon und Schallplatte…“ [Steffen Seibert, „Heute“ 2006-09-02]

Ich kenne viele junge Menschen, die einfach keinen Fernseher mehr haben — „wozu auch“.

Was wird an die Stelle des einzigen verbliebenen Massenmediums mit nationaler Reichweite treten?

Wie wir an den Zeitungen und am Hörfunk gesehen haben, verschwindet ein Medium nicht einfach, es trocknet aus.

Wer heute wissen will, was in der Welt los ist, liest Spiegel Online, New York Times, ein paar Blogs, hört aktuelle Podcasts und zur Ergänzung vielleicht doch noch die Online-Ausgabe der Tagesschau. Trifft ein Thema den Nerv, wird sogleich ein eigener Blog-Eintrag geschrieben, der vielleicht von anderen Lesern als autoritative Quelle (und Anregung zum Weitersurfen) genutzt wird.

„Professionell“ produzierte oder gar Mainstream-Medien sinken in der Bedeutung im täglichen Medienmix. Technische und finanzielle Eintrittsbarrieren für die persönliche Erstellung vieler Arten von Medien sind auf ein kaum noch relevantes Minimum gesunken.

Das Web liefert dann die Plattform für die Verbreitung der persönlichen Medien. Nicht nur im Sinne der reinen Übertragung, sondern vor allem als Mechanismus des Auffindens, Aggregierens und Selektierens. Technische und geschäftliche Entwicklungen nach dem Ende des Dot-Com-Booms haben zu einer fruchtbaren Basis für Entwicklungen in diesem Bereich geführt, die heute oft „Web 2.0“ genannt wird.

„User Generated Content“ — eins der Schlagwörter mancher Web 2.0-Protagonisten, aber auch ein Hinweis darauf, daß noch nicht viel verstanden wurde. Es geht hier nämlich nicht um „Content“ zum Anfüllen irgendwelcher inhaltsloser kommerzieller Plattformen, sondern um Kommunikation. Aus dem klassischen Massenmedium wird eine Konversation. Der Mensch ist nicht mehr nur „User“, der den verabreichten „Content“ willenlos in sich aufsaugt — er lebt in der digitalen Welt sein Leben, genauso wie in der physischen.

Das neue Web hat Vielfalt als technisches und soziales Prinzip. Es nimmt viele klassische Medien mit größter Selbstverständlichkeit in sich auf, aber nicht unverändert. Informationen, die früher nur für sich standen, gewinnen eine neue Qualität. Damit ist nicht nur die Digitalisierung gemeint, die eine unbegrenzte Vervielfältigung ermöglicht. Entscheidend ist vor allem die Informatisierung — Inhalte werden der automatischen Verarbeitung durch Maschinen zugänglich. Das bezieht sich zum einen auf Metadaten — nur durch solche beschreibende Informationen werden die Gigabytes an Daten auf einem iPod nutzbar — aber vor allem auch auf den Inhalt selbst.

Schon heute lassen sich Metadaten dazu nutzen, sich ein persönliches Hörprogramm zusammenzustellen — ein Beispiel aus der Musik ist Pandora, im Bereich der Informationen und Unterhaltung das System Podgrid des TZI.

In absehbarer Zeit werden Maschinen immer besser darin werden, Metadaten auch aus den Inhalten selbst zu extrahieren — schon heute kann man aus Kinofilmen automatisch Trailer generieren, die von professionell erstellten kaum noch zu unterscheiden sind.

Der Übergang von den klassischen, isoliert nebeneinander stehenden und erst im Kopf des Benutzers wieder verbundenen Medien zu den informatischen, vernetzten Medien ist ein Phasensprung. Einzeller werden zu Mehrzellern. Intelligentes Leben!


Mehr dazu am Montag, den 04.09.2006 um 18:00 in einer Podiumsdiskussion mit Vertretern von Nintendo, ProSieben/SevenOne, T-Systems, und Vodafone. Leider noch ganz offline, aber für Berliner und IFA-Besucher leicht zu erreichen.

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