Posted by Olaf Bergmann
Fri, 14 Oct 2005 23:51:00 GMT
AJAX schwimmt gerade auf einer Hype-Welle, wie wir sie in vielen Bereichen der Informationstechnologie in den letzten Jahren häufig gesehen haben (von verteilten Datenbanken über Mbone-Konferenzen zu DHTML, Web-Services, usw). Bei diesem natürlichen Prozess wird ein Schlagwort gern stellvertretend für eine ganze Klasse von Konzepten, Technologien oder neuen Denkansätzen verwendet. Der Begriff selbst beschreibt dann nicht immer
genau das, was damit gemeint ist. So entbrannte im Blog von Simon Willison im April eine längere Diskussion darüber, ob der Begriff AJAX zweckdienlich sei — zwei Monate nach dem Essay von Jesse James Garrett. Matthew Haughey spricht dann auch ziemlich deutlich aus, was technologiezentrierte Entwickler häufig verdrängen: Die Marketing-Abteilung weiß am besten, wie sich Technologie verkaufen läßt — selbst wenn es sich um altbekannte Technologien handelt, die die Entwicklergemeinde für sich neu entdeckt hat.
Was AJAX angeht, zeigt sich gerade das “X” nur als bedingt belastbar. Vielfach setzen AJAX-basierte Anwendungen asynchrone Kommunikation und JavaScript ein, aber es wird weit und breit kein XML verwendet. Der Grund dafür sind die Anforderungen an die Plattformunabhängigkeit: Auch im Jahr 2005 kann XML-Unterstützung nur bei sehr wenigen Browsern vorausgesetzt werden. Mit HTML (nicht XHTML) oder auch einfach zu parsierenden Legacy-Formaten ist man immer auf der sicheren Seite und muß sich nicht in die Abhängigkeit bestimmter Browser-Eigenschaften begeben, die wiederum Feature-Sniffing voraussetzen würden.
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Posted by Carsten Bormann
Fri, 14 Oct 2005 20:14:00 GMT
An einem Artikel aus dem Online-Auftritt der österreichischen
Zeitung „Der Standard“ hat sich eine heiße Diskussion über den Sinn
und Unsinn von AJAX entzündet. Hier meine kurze Zusammenfassung der
Standpunkte der AJAX-Kritiker:
Flash konnte das schon immer
Ja. Allerdings eben nicht mit dem standardisierten Web zusammen,
sondern immer in der schönen bunten Flash-Welt isoliert.
Meine Reaktion, wenn ich mich auf einer Site im Flash-Käfig wiederfinde:
Ich will meinen Browser wieder haben!
Der Versuch, die Flash-Welt mit AJAX unter dem Begriff „Rich
Internet Applications“ über einen Kamm zu scheren, demonstriert
schon ein wenig den Bedarf, diesen Nachteil durch geeignete
Wortschöpfungen zu verschleiern.
Im AJAX-Buch diskutieren wir aber auch durchaus eine
Flash-basierte Alternative zur reinen AJAX-Lehre.
Beispielcode dafür, daß sich AJAX und Flash sogar hervorragend
vertragen können, findet sich hier, mit einer Demo dazu.
Andererseits wird dieser Rückgriff auf eine proprietäre Technologie
durch die zunehmende Verbreitung von SVG,
z.B. in Firefox und
Safari, in Zukunft vielleicht seltener erforderlich
sein. Für die Interaktion mit Ton und Video in Webseiten ist
Flash allerdings noch Stand der Technik; auch hier hilft AJAX
drumherum dabei, eine Web-Anwendung zu behalten.
Browser konnten das schon lange, es hieß nur DHTML etc.
Ja. Allerdings haben wir in den letzten 12 Monaten viel darüber
dazugelernt, wie man mit AJAX eigentlich sinnvoll arbeitet. Es
gibt jetzt design patterns (Entwurfsmuster), an
die vor einem Jahr niemand gedacht hat. Sehr schöne Bibliotheken
wie Prototype und Scriptaculous sind entstanden und haben
eine erstaunliche Reife entwickelt. Neue Anwendungen, die sich so
gänzlich anders anfühlen als das „alte Web“, sprießen wie Pilze aus
dem Boden.
Es lohnt sich auch für ausgefuchste Web-Entwickler, zu verfolgen,
was in AJAX-Land passiert.
AJAX ist kein Allheilmittel, bringt auch Nachteile, …
Ja. Vor allem ist eine Überdosierung schädlich (wie damals bei
Flash). Auch dazu mehr im Buch.
Und nein, man braucht keine neuen Browser (oder Plugins), man muß
(trotz des irreführenden Namens) durchaus nicht mit XML AJAXen, etc.
Auch das erklärt natürlich alles das Buch.
(Kann es sein, daß ich mich wiederhole?)
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